media advice blog

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16. Mai 2012

Seehofers Schalte: Jörg-Michael Jungingers Analyse in hr-info

Jörg-Michael Junginger im Radiointerview mit hr-info über den Auftritt von Horst Seehofer im ZDF:

"Ich hab ganz große Zweifel, dass das spontan war. Das war eine ganz clevere, ausgegorene Strategie über die Neuen Medien die eigene Botschaft nochmal großflächig wie eine Pizza auszurollen; clever gemacht."

Die Mp3 zum Download (Copyright by | hr-iNFO)

Siehe dazu auch unsere Analyse.

15. Mai 2012

Eiskalte PR-Strategie oder Zufall?

Seehofer gibt Röttgen noch einen mit – in einer neuen Dimension .

Bei dem Nachlauf zu einer Live-Schalte zieht er über Röttgen und die Koalition her - persönlich und frei von der Leber weg. Das ist besonders glaubwürdig und für Zuschauer besonders spannend: Off the record, aus dem Geheimen, so als würde man Mäuschen in der Kabine des FC Bayern München spielen und Heynckes bei der Spielerschelte zuhören. Aus Versehen mitgehört – da unterstellt niemand politisches Kalkül. Aber: Handelt Seehofer nicht doch absichtlich?

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Seehofer: Das können Sie alles senden!

Fall A: Er handelt planvoll – ein Todesstoß, der Seehofer nicht auf die Füße fällt

Virales Marketing: Es ist höchst wahrscheinlich, dass Seehofer spätestens seit seiner Horst 2.0-Party einen gewieften Social Media-Experten an Bord hat. Diesem dürfte vor allem ein Mechanismus bewusst sein: Videobelege, die eine anscheinend private Unterhaltung dokumentieren, sind sehr schnell viral. Freunde bei Facebook verteilen sie untereinander, Sensationslüsterne verbreiten das Video via Twitter, es erreicht über die Online-Medien Millionen. Für Social Media-Experten ist solch ein Video Gold wert.

Das ZDF nimmt immer auf: Zweitens dürfte Seehofer diese ZDF-Praxis bekannt sein: Bei den Schalten des ZDF wird normalerweise der gesamte Vorlauf und Nachlauf aufgezeichnet. Der Nachlauf ist lang, weil in dieser Zeit die vorherige Aufnahme überprüft wird. Erst wenn hier das OK kommt, wird die Verbindung gekappt. Die kurze schwarze Stelle ist ein Signal an den Cutter, dass der offizielle Teil zu Ende ist. Üblicherweise behandelt das ZDF diese Aufnahmen vertraulich. Das ist auch daran ersichtlich, dass Kleber ohne Rotlicht-Mimik vollkommen entspannt in eine normale Gesprächshaltung rutscht und auch sprachlich unpräzise wird. Also kurz: Seehofer hat vollkommen sendefähiges Material seines Wutausbruchs, und das weiß er.

Eiskalt geplant: Seehofer nutzt die Möglichkeit, ein vertrauliches Gespräch über soziale Netzwerke zu schicken und zu instrumentalisieren. Dafür spricht, dass Seehofer klare Botschaften an Röttgen und die CDU schickt und sie weiterhin publikumswirksam verpackt – ihm unterläuft kein Fehler so wie Kleber. Dagegen spricht, dass der Gesprächsverlauf sehr unvorhersehbar war und das Video ausschließlich bei diesem Verlauf diese Wirkung entfalten kann.

Falls Kalkül: Sehr professionell durchgeplant. Respekt. Wahrscheinlichkeit: Hoch.

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Der Tweet des ZDF avanciert in kürzester Zeit zum Top Tweet

Fall B: Er handelt nicht planvoll – hochgefährliche Praxis

In jedem Interview gibt es einen offiziellen und einen nicht offiziellen Teil. Die Vorgespräche und Nachgespräche sind ebenso essentiell wie das Interview selbst. Sie dienen dazu, Beziehungen zu Journalisten aufzubauen und Vertrauen zu schaffen.

Rotlicht aus: media advice rät aber explizit zur Zwei-Raum-Praxis: Führen Sie inhaltlich schwierige Gespräche immer ohne Rotlicht, aber am Besten in einem anderen Raum. Wenn das nicht geht: Große Vorsicht. Bei ständigem „record“ gibt es kein off the record. Wie der Schwabe sagt: Der Teufel ist ein Eichhörnchen. Wenn eine Aufnahme einmal gemacht ist, kann sie wie eine versteckte Nuss immer wieder hervorgeholt werden. Denn auch löschen ist nicht permanent.

Weniger Risiko: Zudem müssen Sie sich vor sich selbst schützen – es ist durchaus möglich, dass ein fähiger Journalist Sie dazu bringt, im entspannteren Teil des Gesprächs Dinge zu sagen oder zuzugeben, die Sie lieber für sich behalten wollten. Und dann möglicherweise, in Rage geredet, einer Veröffentlichung zustimmen, ohne sich vollkommen der Konsequenzen bewusst zu sein. Grundsätzlich gilt: Wenn das was Sie sagen, interessant genug ist, findet die Aufzeichnung so oder so den Weg in die falschen Hände.

Aber Seehofer ist Medien-Profi und kein Bierseidel – es ist höchst unwahrscheinlich, dass gerade ihm ein solcher Lapsus unterläuft. Wahrscheinlichkeit: Gering.

9. Mai 2012

Big Food?

Die moderne PR unternimmt gerade einen weiteren Schritt, der für PR-Schaffende wichtig werden wird – und nein, er ist ausnahmsweise nicht Social Media, sondern inhaltlicher Natur. Die nächste PR-Krisen-Branche steht fest. Die Gründung von Foodwatch durch ehemalige Greenpeace-Aktivisten im Jahr 2002, vermehrte Kritik an Tierhaltung, Düngemitteln, Umweltschäden und wachsendes Misstrauen gegen Lebensmittelhändler und -spekulanten sind starke Indikatoren: Food steht im Fokus.


Große Lebensmittelhersteller wie Nestlé spüren den Druck schon seit einigen Jahren, auch Lebensmittelhändler wie die Allianz werden derzeit als böse Spekulanten bezeichnet. Doch das Bewusstsein der Verbraucher wächst weiter. Ihre berechtigte Sorge schlägt mittlerweile auch bei kleineren Unternehmen auf – und stößt häufig auf verschlossene Türen, überarbeitete Presseleute oder nicht durchdachte Strategien. Das geht nicht lange gut.


Damit folgt die Entwicklung einem bekannten Muster aus der Geschichte der PR. Um 1890 wurde es für große Unternehmen auf der anderen Seite des Atlantiks vor allem wegen besonders aktiver investigativer Journalisten wichtig, PR zu betreiben. Einer dieser "muckraker" genannten Journalisten war beispielsweise der Österreicher Joseph Pulitzer, der vor allem Missstände aufdeckte. Die amerikanische Industrie musste daher ihre Pressearbeit professionalisieren, um sich verteidigen zu können – die Geburtsstunde von Profis wie Edward L. Bernays oder Ivy Lee, der zum Beispiel John D. Rockefeller vertrat, als es knackte.


Äußerer Druck war auch in den folgenden Jahrzehnten ein zuverlässiger Indikator für größere – und bessere – Presseabteilungen. Höherer Druck von außen ist leicht zu erklären: Bürger sorgen sich um ihr körperliches Wohlergehen. Einleuchtende Beispiele hierfür sind Chemie- und Pharmaunternehmen. Gerade Unternehmen aus diesen Branchen müssen Anwohnern, Kunden und Umweltaktivisten glaubwürdig erklären, dass sie weder der Gesundheit noch der Umwelt schaden. Das führte dazu, dass beispielsweise die BASF aus Ludwigshafen eine der größten und am besten ausgebildeten PR-Abteilungen mit ca. 550 Mitarbeitern unterhält. Und das führte ebenfalls dazu, dass mittlerweile selbst mittelständische Chemiebetriebe hervorragende PR leisten - müssen.


Da besonders Lebensmittel das Wohlergehen der Bürger betreffen, wird diese Entwicklung nun in der Lebensmittelbranche fortgeführt. Was steckt wirklich in der Wurst? Wie düngt ihr unsere Felder? Wie passen Hunger und Spekulation zusammen? Ist Massentierhaltung zeitgemäß? - Der Druck wird steigen.


Daraus ziehen wir zwei Schlüsse: Erstens sollten sich alle Unternehmen der Lebensmittelbranche fit für PR machen um Krisen vorzubeugen. Und zweitens werden wir in zehn Jahren zurückblicken und feststellen, dass die meisten Unternehmen dieser Branche diesem Ratschlag gefolgt sind – oder nicht mehr existieren.


Gut für die Konsumenten: Denn so werden sie ernst genommen und transparent informiert.

3. Mai 2012

Jörg-Michael Junginger im PR-Magazin

In der Mai-Ausgabe befragte das PR-Magazin den Medientrainer Jörg-Michael Junginger zum Thema TV-Talkshow-Auftritte. Der media advice-Experte berichtet dabei über die wirksamsten Trainingsmethoden aus seiner 15jährigen Erfahrung:

"Wir mieten für unsere Einheiten ein Fernsehstudio an und üben mit dem Talkgast unter realen Bedingungen seinen Auftritt. Wir üben vor laufenden Kameras, mit professioneller Beleuchtung und mit Journalisten als Sparringspartnern, die in die Rolle der übrigen Gäste schlüpfen und deren Positionen und Gesprächshandwerk adaptieren."

Den vollständigen Artikel finden Sie in der Print-Ausgabe. Eine Vorschau finden Sie im E-Paper des aktuellen PR-Magazins. Viel Freude mit der Lektüre!

27. April 2012

"Facebook ist keine Spielerei" - Jörg-Michael Junginger über Sportler im Netz

Am Beispiel von Ariane Friedrich erklärt Jörg-Michael Junginger im Interview mit dem WDR, welche Folgen unbedachte Kommentare über soziale Medien haben können.

Dabei warnt er vor leichtfertigem Umgang. "Viele Sportler glauben, dass Facebook eine Spielerei ist, eine Art öffentliches Tagebuch. Oft werden diese Seiten ja auch von Dritten geschrieben, gar nicht vom Sportler selbst. Der Fan kann das nicht unterscheiden."

Es ist immer besser, frühzeitig und vorsorglich Profis um Rat zu bitten - denn häufig schlagen unbedachte Äußerungen große Wellen. Und diese wieder zu glätten erfordert weitaus mehr wertvolle Ressourcen, als vielen Sportlern lieb sein kann.

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